Es war ein wahrlich herrlicher Sommerabend in der letzten Vorlesungswoche, als der Bibelabend und mit ihm unser Bbr. Erik Pühringer vor der Tür stand. Und dieser Abend sollte mehrere Überraschungen und interessante Erkenntnisse bereit halten.


Zunächst entschieden wir uns ganz spontan, die Veranstaltung vom Sälchen auf die Terrasse zu verlegen, denn den ersten schönen Abend seit langem konnte man sich doch nicht einfach so entgehen lassen! 
Nachdem Bbr. Plum den Abend eröffnete, durften wir endlich erfahren, über welches Thema wir uns dieses Mal austauschen würden.

„Da habe ich es mir dieses Mal ganz einfach gemacht und das Evangelium der nächsten Woche zum Anlass genommen, ein wohlbekanntes Gebet genauer unter die Lupe zu nehmen, auch wenn wir es in einer anderen Form kennen.
Da sagte er zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht:
Vater, dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme.
Gib uns täglich das Brot, das wir brauchen.
Und erlass uns unsere Sünden; denn auch wir erlassen jedem, was er uns schuldig ist. Und führe uns nicht in Versuchung."

Aha, das Vater Unser also. Erik hatte einzelne Zettel mit den Versen des Vater Unser vorbereitet, sodass wir in Kleingruppen im Garten ausschwärmen konnten, um uns darüber Gedanken zu machen. Wir kennen dieses Gebet in und auswendig, aber was beten wir da eigentlich?
Dabei fiel mal wieder auf, wie lange und wie viel man über die simple Zeilen wie beispielsweise „Unser tägliches Brot gib uns heute.“ nachdenken kann.

Nach einigen Minuten des intensiven Interpretierens setzten wir uns wieder zusammen, um die Ergebnisse zu präsentieren. Jedes Wort war genauestens unter die Lupe genommen worden, selbst (von Erik selbst hinuzugefügte) Satzzeichen wurde eine Bedeutung beigemessen. So konnte eine inhaltliche Struktur benannt, eschatologische Teile differenziert und jedem Vers für sich eine Interpretation beigemessen werden.

Warum es sinnvoll ist, sich mit solchen Themen auseinanderzusetzen, zeigte ein pointierter, reizvoller Text, den Erik uns zum Abschluss mitgebracht hatte und dem wir gebannt lauschten. Einige Zeilen des Textes „Unterbrich mich nicht, Herr – ich bete!“, der ein Gespräch zwischen Betendem und Gott beschreibt, möchte ich an dieser Stelle bemühen:
[...]

„Geheiligt werde dein Name...“
„Meinst du das ernst?“
„Was soll ich ernst meinen?“
„Ob du meinen Namen wirklich heiligen willst? Was bedeutet denn das?“
„Es bedeutet...es bedeutet...meine Güte, ich weiß nicht, was es bedeutet. Woher soll ich das wissen?“

[...]

„Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern...“
„Und dein Arbeitskollege?“
„Jetzt fang auch noch von dem an! Du weißt doch, dass er mich öffentlich blamiert; [...]“
„Ich weiß, ich weiß! Und dein Gebet?“
„Ich meine es nicht so!“
„Du bist wenigstens ehrlich. Macht es dir eigentlich Spaß, mit so viel Bitterkeit und Abneigung im Bauch herumzulaufen?“
„Es macht mich ganz krank.“
„Ich will dich heilen. Vergib ihm doch und ich vergebe dir. [...]“

[...]

Aber damit war der Abend noch lange nicht vorbei, ganz im Gegenteil kam dieser gerade erst in Schwung: Die Aktivitas hatte den ganzen Tag gelernt und bekam jetzt so richtig Bock!
Nach einer kleinen Stafette wurden wir heiß auf Bummeln, was allerdings für die Externen ohne Anzug auf dem Haus nicht möglich war.
Da kam ein findiger Bbr. auf die Idee, die am Hausprojekttag (s. Artikel von Bbr. Odenthal) gebaute mobile Zopfmöglichkeit erstmals auszuführen, also namentlich einen Bibelabend-Beendenden-Balten-Bier-Bollerwagen-Brandungs-Bummel durchzuführen.

So gaben wir unseren Freunden der Rheno-Borussia, der Bergland, Makaria, Laetitia und Alania die Möglichkeit, jeweils vor ihrem Haus auf Couleurbesuch an unseren Bierbollerwagen zu treten, denn um diesen zu empfangen, müssen wir freilich kein Vollcouleur tragen. Nach einem feucht-fröhlichen und sehr netten Auftakt bei den Turnern trafen wir mit neun Balten auf der Kruppstraße auf ebenfalls neun motivierte Bergländer an, mit denen unsere fahrbare Zapfanlage zum ersten Mal als Stafettentisch dienen konnte.

Nach kurzem Aufenthalt gingen alle 18 Mann ein Haus weiter zur Makaria, von wo wir mit einer dann nochmal um ca. fünf Leute angewachsenen Gruppe weiter Richtung Laetitia/Alania zogen. Auch dort  freuten wir uns über das  Vorbeibummeln von fünf Korporierten an unserem Bollerwagen, sodass wir auf der Süsterfeldstraße mit knapp 30 Leuten den lauen Sommerabend ausklingen lassen konnten.

Genau so macht Couleurstudententum Spaß!