Eine Fahrt nach Stuttgart

Auch dieses Jahr fand am Wochenende nach Fronleichnam die Cartellversammlung statt. Dieses Mal in der Schwabenstadt Stuttgart.

Nach einer Prozession vom Lindenplatz zum Dom bei bestem Aachener Wetter, nein, es schien tatsächlich die Sonne, begaben sich drei Cartellbrüder von Bergland, Kaiserpfalz und natürlich unserer lieben Baltia auf den Weg ins Ländle zu den Schwaben.

Zu unserem Glück reisten mir mit dem Leihwagen und waren so nicht der Willkür der Deutschen Bahn ausgeliefert und konnten bei über 30 Grad entspannt und gut gekühlt reisen. Außer dem Fahrer wurde sich natürlich bereits auf der Fahrt sinnvoll und kreativ auf die Sitzungen vorbereitet: Mit Dosenbier.

Nachdem die Bedenken auf der Fahrt, dass wir mit unserem Diesel den Talkessel von Stuttgart vielleicht nicht befahren durften, aus der Welt geräumt waren, erreichten wir die Jugendherberge, die für dieses Wochenende unser Basislager sein sollte. Wie sich herausstellte, war diese nur per Fahrstuhl zugänglich, der sich außerdem am OBEREN Hang befand, sodass jeder Weg zurück zur Schlafstelle zu einer kleinen Bergtour ausarten musste.

Da wir bei unserer Ankunft zu spät waren, um noch die Eröffnungsmesse zu besuchen, trug uns unser Weg direkt auf das Haus der AV Alania Stuttgart. Zu diesem Zeitpunkt herrschten noch immer tropische Temperaturen und auch im leeren Kneipsaal stand einem der Schweiß auf der Stirn. Als sich im Laufe des Abends der Saal immer mehr füllte und durch Streitigkeiten mit den Nachbarn nicht einmal ein Fenster geöffnet werden durfte, wechselte die Luft langsam aber sicher ihren Aggregatzustand. Oder kurz ausgedrückt, wenn man vom Klo zurückkam, hatte man das Gefühl gegen eine Wand aus Schweiß, Warm und Eklig zu laufen.

Wer schon einmal auf einer Cartellversammlung war weiß, dass Schlaf hier eher rar ist und kann sich demnach vorstellen, wie die Bandbreite der anwesenden Cartellbrüder am nächsten Morgen beim Frühstück aussah. (Ungefähr vergleichbar mit der Aktivitas am Festsonntag) Und dies erst nach einem Tag!

Die Sitzungen verliefen wie üblich eher mäßig interessant und schlug das Aktivenherz erst wieder höher, als es am Abend wieder auf die Häuser und an die Theke ging.

Auf dem Rückweg zur Jugendherberge gab es dann noch ein wenig Spannung, als ein Krankenwagen mit Blaulicht und Martinshorn an den müde nach Hause wankenden Gestalten vorbeifuhr und direkt vor unserer Unterkunft hielt. Die ersten Wetten über mögliche Cartellbrüder, die einen über den Durst getrunken hatten wurden abgeschlossen, aber am Ende enttäuscht, als man feststellen musste, dass der Krankenwagen zwar aus Alkohol-Gründen, allerdings für einen nicht korporierten Gast der Jugendherberge bestimmt war.

Da sich am Freitag die erste Sitzung der Cartellversammlung schon gezogen hatte und am Samstag der CV-Schatzmeister mit einem SEHR ausführlichen Bericht einige Sitzungszeit beanspruchte, wurde es am Ende, trotz allgemeiner Katerstimmung doch recht hektisch. So blieb dem Verhandlungspräsidium nichts anderes übrig, als die letzten Punkte auf die nächste Cartellversammlung in Köln zu vertagen.

Beim anschließenden Akademischen Forum wurde nach dem Vorstellen des Gewinners des diesjährigen Preises über die ethische Sicht auf das autonome Fahren, also des von alleine fahrenden Autos diskutiert. Interessant war, dass keiner der anwesenden Diskussionsteilnehmer aus dem Podium bei der Frage: "Soll das Auto lieber die schwangere Frau, oder die alte Oma überfahren?" eine Idee hatte. Wie wäre es mit "bremsen"zu antworten.

Nun auch wissenschaftlich ausgelastet, fuhr das Programm mit dem feierlichen Festkommers fort. Der Vorortspräsident ermahnte in seiner Ansprache die Corona, Europa und die Demokratie nicht einfach als gegeben hinzunehmen und sich für beides einzusetzen. Nach einem kurzen Kleidungswechsel, raus aus den warmen Chargierklamotten, rein in den warmen Anzug, ging es dann zurück auf die Häuser und eine weitere Nacht voller Bier und Leberkäsebrötchen nahm ihren Lauf.

Am letzten Tag, dem Sonntag, konnte das Organisationskomitee in der Messe noch einmal bei den chargierenden Aktiven punkten, indem sie ausreichend Traubenzucker und Wasser verteilten, sodass trotz über NEUNZIG Minuten Messe und anschließender Prozession zu einer Kranzniederlegung keine Ausfälle zu verzeichnen waren.

Danach begaben wir uns nach einem letzten kühlen Blonden am Schlossgarten wieder zurück in die Kaiserstadt Aachen. Als letztes möchte ich noch anmerken, wie positiv ich von den Stuttgartern überrascht war, anders als bei anderen Cartellversammlungen wurde man mit Band in der Innenstadt an keinem der Tage angepöbelt oder schief angeschaut, es gab einige interessierte Nachfragen, aber die Stimmung an sich war Grund auf positiv und aufgeschlossen.

Oliver Semrau Bl!