Der Tag der Tage, der Moment der Momente, das Tunier der Tuniere: Das ACV Fußballtunier stand an. Sechs Mannschaften, hungrig lechzend starrten sie auf den Pokal, der im Jahr zuvor nach dem Finale Bergland – Baltia traurigerweise an die Bergland ging. Es ging um vieles. Ehre, Stolz, die eigene Potenz unter Beweis zu stellen, die Impotenz anderer zu beweisen und natürlich endlich diesen verdammten Pokal zu gewinnen.

Nach erster Spionage der anderen Mannschaften und Auslosung der Gruppen stand fest: Gute Chancen, dieses Mal zuzuschlagen. „Ich habe vom Feeling her ein gutes Gefühl“ stellte Kapitän Jonas Cappenberg vor dem ersten Spiel gegen die Marchia fest. Und er behielt recht: Wie im Jahr zuvor, bei dem die Marchia mit 15:0 im Lousberg-Derby unterging, startete die Baltia fulminant. Aggressives Tempo, viele Balleroberungen und starke Technik führten dazu, dass die Baltia dieses Spiel dominierte. In der Pause, zu dessen Zeitpunkt es bereits 5:0 stand, hielt Andreas Ebbecke die Ansprache: „Zu 50 Prozent stehen wir im Viertelfinale, aber die halbe Miete ist das noch lange nicht!“. Also weiterkämpfen, Sack zumachen, 8:0 das Resultat. Zwischen Kreis- und Weltklasse liegt halt nur eine Straße.

Danach: Spiel gegen Makaria. Heiß ging es her. Viele Einzelkämpfe. „Das Spielfeld war zu lang für Doppelpässe“ stellte Oliver Semrau von der Seitenlinie fest. Trotzdem fiel dann, wie im Spiel zuvor, das erste Tor zugunsten Baltiae. Und das zweite, und dritte, und viele weitere Tore, sodass erneut ein hoher Sieg in Aussicht stand. Doch plötzlich der Schock. Nach einem Zweikampf blieb Dieter Enkerlin, der Neuzugang aus Mexiko, der 2014 in die Mannschaft aufrückte, am Boden liegen. „Was erlauben Makaria?“  tönte es von den Rängen. Schmerzverzehrt musste Dieter den Platz verlassen. „Ein Dieter Enkerlin lässt sich nicht von seinem Körper besiegen, ein Dieter Enkerlin entscheidet selbst über sein Schicksal“ versuchte Benedikt Scotti ihm Mut zu machen. Doch Dieters Verletzung war nicht rückgängig zu machen. “Ich hab 'ne Oberschenkel-Zerrung im linken Fuß.“ sagte er von Schmerzen geplagt, „Ich habe fertig.“. Kurz darauf der Schlusspfiff. Ergebnis: Wieder gewonnen. Torestand? „Das interessiert mich wie eine geplatzte Currywurst im ostfriesischen Wattenmeer!“, so Benedikt Ingedoh.

Nun stand das Viertelfinale vor der Tür. Der Gegner zunächst unklar. „Mailand oder Madrid - Hauptsache Italien!“ empfand Alexander Tegethoff die Situation. Jan Schaffrath stimmte ihm da zu: „Mir ist egal, ob einer Bergländer, Märker, Kaiserpfälzer, Nord- oder Südfranke ist. Die Leistung entscheidet und nicht irgendeine Blutgruppe“. Und sie hatten beide Recht: Es ging gegen die Frankonia. Leichte Unsicherheiten gestalteten die ersten Minuten, doch dann der Befreiungsschlag. Wieder 1:0. Und weitere Tore folgten, sodass es mit 4:1 in die Pause ging. Florian Klein, der erst diese Saison verpflichtet wurde, brachte es in der Halbzeit auf dem Punkt: „Fußball ist wie Schach nur ohne Würfel“, und weiter: „Es ist wichtig, dass man 90 Minuten mit voller Konzentration an das nächste Spiel denkt." Dies taten die Balten. 7:1 das Resultat gegen eine Mannschaft, die zu den stärksten des Turniers gezählt wurde.

Wow. Die Motivation fürs Finale war auf dem Höhepunkt. Auch die beiden Fans, die während des Spiels gegen die Frankonia anreisten, konnten sich nicht zurückhalten. „Fußball ist Ding, Dang, Dong. Es gibt nicht nur Ding!“ kommentierte Tobias Richartz begeistert die Situation. Parallel besiegte die Kaiserpfalz die Makaria, sodass die Baltia dem Halbfinalgegner des Vorjahres diesmal im Finale begegnete. Die Ansprache wurde erneut vom Kapitän und herausragendem Spielmacher Jonas Cappenberg gehalten: „Es gibt nur eine Möglichkeit: Sieg, Niederlage oder Unentschieden.“ Es ertönte der Anpfiff und es begann ein Schlagabtausch, auf den alle gewartet hatten. Erneut 1:0 durch den rheinländischen Fußballgott - wie er sich so schön selbst betitelt – Andreas Ebbecke. „Wunderbar, wie er seinen Körper zwischen sich und den Gegner schiebt!“ tönte es aus den Reihen der mitgereisten Fans. Doch dann die Ernüchterung - 1:1. Dann erneut die Führung, erneut der Ausgleich und auf einmal stand es sogar 3:2 für die Kaiserpfalz. Es sah nicht gut aus, bis plötzlich Oliver Semrau, der Rechtsfuß mit den beiden linken Füßen, sich selbst einwechselte und auf den Platz stürmte. Er eroberte die Kugel und schoss den Ball in den Winkel, Wahnsinn, Ausgleich Sekunden vor dem Abpfiff! „Die schönsten Tore sind eben die, bei denen der Ball schön flach oben reingeht“ so Daniel Becker, Pressesprecher der Baltia.

Dann ging es in die Verlängerung. „Wir hatten alle die Hosen voll, aber bei mir lief`s ganz flüssig" stellte Alexander Tegethoff fest. Die Anspannung war enorm groß. „Mal verliert man und mal gewinnen die anderen.“ motivierte Bendikt Scotti seine Mitspieler: „Doch jede Seite hat zwei Medaillen.“ Also kämpfen, kämpfen, kämpfen. Leider machten sich in der Verlängerung einige Erschöpfungserscheinungen sichtbar, sodass die Kaiserpfalz mit zwei Toren vorlegte. Als dann auch noch ein unnötig hartes Einschreiten nicht gepfiffen wurde, kippte die Stimmung. „Hass gehört nicht ins Stadion. Die Leute sollen ihre Emotionen zu Hause in den Wohnzimmern mit ihren Frauen ausleben“, versuchte der Schiedsrichter zu schlichten. Erneute Tore für die Kaiserpfalz, Niederlage besiegelt. Die Enttäuschung war groß. „Alles hat gestimmt: Das Wetter war gut, die Stimmung war gut, der Platz war gut - nur wir waren schlecht.“ – brachte es Jan Schaffrath auf dem Punkt. Ab gings unter die Dusche und nach Hause.

Alles in allem kann man dennoch sagen: Trotz des ernüchternden Finales im Rückblick eine starke Leistung, die Hoffnung auf das nächste Tunier macht. Und damit bin ich mit meinem Artikel auch ans Ende gekommen. Ich sage nur ein Wort: Vielen Dank.

Alexander Tegethoff Bl!

P.S.: Die Herkunft der verwendeten Zitate könnten eventuell verfälscht sein.