Beim Titel dieser Veranstaltung schauderte es mir ein wenig. Ob das Spaß macht? Klingt Vegan. Was gibt es überhaupt zu essen? Welche Leute sowas wohl machen?  Kann Foodsharing eine Alternative sein? 


 Was sich hinter der Veranstaltung verbirgt, das konnte ich mir wirklich spärlich vorstellen. Offenheit war also angebracht. 
Das Erste was mir auffiel: Viele Leute interessieren sich dafür. Schnell wuchs die Teilnehmerzahl in die Höhe. Ab 30 war sich das Chargenteam bereits nicht mehr sicher, ob es den Rahmen der Veranstaltung, Kapazität an Geschirr und Essensvorräte, sprengen könnte. Zweifel, die wie sich kurze Zeit später herausstellte in Luft auflösen sollten. Am Samstag vor besagter Veranstaltung wurde bereits die erste Fuhre an Lebensmitteln geliefert. Kistenweise wurden unzählige Tomaten, Salatköpfen, Obst in Form von Bananen, Melonen, Ananas, Pfirsichen und Trauben, sowie Blumenkohl und Brokkoli wurden in das Haus geschleppt. Mein persönliches Highlight war der 2,5 kg schwere Kochschinken..... Aha! Nicht vegan!
Diese Massen an Essen reichten bereits. um in Essen baden zu können, doch dies war nicht genug. Am Montag, dem Tag der Veranstaltung selbst wurde noch mehr geliefert, sodass sich die Menge und das Angebot der Nahrung annähernd verdoppelte.
Eine der ersten Herausforderungen, um diesen Abend zu bewältigen, war die Frage: Was wollen wir überhaupt damit kochen? Daraus ergab sich folgende logische Frage: Was haben wir eigentlich? Normalerweise ist der studentische Kühlschrank klar sortiert: Bier, und irgendwas, was mal weggeworfen werden sollte.... Da fällt es allgemein leicht, sich für Nudeln mit Pesto zu entscheiden. Die Sichtung der Lebensmittel für die Veranstaltung hingegen war eine logistische Herausforderung! Kisten stapeln, ausräumen, Diagramme erstellen und tabellarisch jedes einzelne Radieschen erfassen. Das Resultat konnte sich sehen lassen und die Speisekarte war Zusammengestellt: Brokkoli-Blumenkohl-Cremesuppe als Vorspeise, Gefüllte Paprika mit großer Salatbeilage als Hauptgericht und Obstsalat mit Rhabarbercrumble als Nachspeise.
Sobald dies feststand, begaben sich viele fleißige Hände, Balten und vor allem viele Damen an die Arbeit. Es galt Kartoffeln zu schälen, Gemüse zu waschen und Obst zu schneiden. Der Schinken selbst wurde kritisch beäugt, als das Mindesthaltbarkeitsdatum festgestellt wurde. Drei Monate abgelaufenes Fleisch weckte in uns Urinstinkte und wir warfen es weg. Zwei Stunden Arbeit ließen ein recht ansehnliches und leckeres Mahl entstehen. Während des Kochens kamen die Verantwortlichen, denen wir diese Essensexplosion zu verdanken hatten. Drei sehr nette junge Menschen. Schnell kam man ins in Gespräch und interessierte Mienen waren stets um die drei Gäste zu beobachten. Nach dem Mahl selbst, stellten diese sich und das Projekt Foodsharing mittels eines interaktiven Gespräches vor.
Was ist dieses Foodsharing überhaupt und wie kam das zustande? Die Motivation dieser Aktion liegt im Bewusstsein, dass viele Lebensmittel verschwendet werden. Im Schnitt lässt ein Mensch ca. 80kg an Lebensmitteln liegen. Jährlich mehrere 100 Tonnen an Nahrung laden auf dem Müll. Davon haben Supermärkte einen Anteil von lediglich 5%. Um dem entgegen zu wirken, haben sich ein paar Menschen zusammengeschlossen, die nach Absprache mit den Unternehmen dort Essen abholen und dieses zu sogenannten Verteilern bringen. Diese Verteiler sind Depots, regelmäßig gereinigt, welche in der gesamten Stadt zu finden sind. Aus diesen darf sich jeder Mensch Nahrungsmittel herausnehmen. Diese Nahrungsmittel sind nicht immer die frischesten, aber genießbar alle male. Ob Krankheiten dadurch hervorgerufen könnten wurde von den Foodsharern negiert. Es seien keine Fälle dieser Art in Deutschland bekannt.
Was sind denn die Pflichten eines Mitgliedes? Soweit keine. Ein Neues Mitglied soll zunächst dreimal mit einem Erfahren Mitglied Lebensmittel von den Unternehmen abholen, um kennen zu lernen, wie so etwas abläuft. Dabei ist er komplett frei und wird zu nichts gezwungen. Um zu organisieren, dass immer ein Abholer zu den Geschäften geht, soll dieser sich, freiwillig, in eine Abholerliste im Internet eintragen. Ob und wie oft ein Mitglied das macht, ist egal.
Kann man selbst Mitglied werden? Ja! Dazu gehört ein kleiner Test am Anfang um die Intention zu verstehen und vertreten zu können. Zudem soll man dann noch die drei Probeabholungen machen. Ob man diese Abholungen mit dem Fahrrad, zu Fuß oder mit einem Auto macht, ist lediglich davon abhängig, wo man die Lebensmittel abholt. Bei Großhändlern fällt meistens mehr Transportgut an und eine eigene Einschätzung der Kapazität ist dabei bedenkenswert.

Viele Fragen wurden gestellt und die drei standen Rede und Antwort. Eine sehr gelungene Veranstaltung! Aufschlussreich, spaßig und mit leckerem Essen! Ein abendlicher Ausklang, ganz nach baltischer Art fehlte selbstverständlich nicht!