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„Komm schon, Alex, wir verpassen noch den Bus!“

Ich laufe los und sehe wie Alex, der noch nicht einmal den Rucksack richtig aufgeschnallt hat, die Wohnungstür zuzieht und hektisch beginnt hinter mir herzurennen. Verdammt, das wird ein ordentliches Gewitter vom Senior geben wenn wir nicht rechtzeitig auf den Zug nach Bonn aufspringen können. Schon jetzt ist das Shirt unter den Riemen der Tasche nass. Wieso sind wir nochmal nicht früher aufgestanden um rechtzeitig zur Bushaltestelle losgehen zu können? Voraus auf dem Außenring sehe ich das Hinterteil eines großen roten Fahrzeuges hinter der nächsten Biegung verschwinden. Wir bleiben stehen. Alex Gesicht hat die Farbe einer reifen Tomate, aber wenigstens die Sonnenbrille sitzt. „Na toll, rufst du den Patrick an, dass er mal bitte den Zug aufhalten soll? Der Bus, den wir jetzt nehmen müssen kommt gerade mal eine Minute vor Zugabfahrt an“. Alex schaut mich verwirrt an, greift aber zum Handy und tippt.  Bei all dem Stress bin ich immer noch stolz auf mich, dass ich daran gedacht habe, die letzten 2 Bier aus der WG einzupacken. „Meinst du das Chargenteam bringt einen Kasten für die Fahrt mit?“ „Ja na klar, was wäre eine Aktivenfahrt ohne Bier?“ Wir gehen zur Tankstelle und kaufen uns vorsorglich nochmal 2 Bier. Der nächste Bus ist zeitig, der Aachener Verkehr überrascht mit flüssiger Konsistenz. Komfortable 2 Minuten vor Abfahrt sind wir am Gleis. Die Aktiven sind im Zug schwer zu übersehen. Der Consenior Bene hat als Kleiderordnung Kombination vorgegeben. Dieses neu eingeführte Erscheinungsbild wird bei mir auf keine Gegenliebe mehr treffen. Brav sitzen die jungen Bundesbrüder in ihren Jacketts wie eine Gruppe verlorener BWL Studenten auf den Sitzen. Ich frage in die Runde ob das hier die Junge Union auf Ausflug wäre? Das finden alle lustig. Vor allem ich, schließlich laufe ich noch entspannt rum und will mich erst kurz vor dem Verteidigungsministerium der unsinnigen Consenioranordnung beugen. Klack. Alex reicht mir strahlend ein Bier. Wassertropfen perlen von der kühlen Dose ab. Meine Augen leuchten. Alex hat immer die besten Ideen. Ich greife zum Bier und es rinnt die trockene Kehle herunter. Das schwitzige T-Shirt ist vergessen, die Anspannung ist verflogen. Es ist Aktivenfahrt! Ich blicke mich um. Dann die Erkenntnis und der Schock. Wie kann das sein? Ich schaue Senior Patrick mit einer Mischung aus Unglauben und Vorwurf an, der sich nur hilflos nach seinem Consenior Bene umschaut. „Ihr habt echt kein Bier mitgebracht?“ „Wir wussten nicht…“ „Wir konnten nicht…“. Es ist nicht zu glauben. Ich schüttel' nur dem Kopf, zwinkere Alex zu und stoße mit ihm an. Na wenigstens wir haben alles richtig gemacht.

Kaum sind wir in Köln, plündert Patrick schuldbewusst die Dosenbiervorräte des Bahnhofsupermarktes und drückt den verzweifelten restlichen Bundesbrüdern auch ein Bier in die Hand.

Am Verteidigungsministerium angekommen werden wir zum Beginn der Führung auf ein kostenfreies Mittagessen in der Kantine eingeladen. Leider ist damit auch schon direkt das Highlight der Präsentation des riesigen Geländes vorüber. Durch das Benennen sämtliche Bauzeitpunkte grauer Bürobauten konnte der gute Herr vom Ministerium ähnlich viel Spannung aufbauen, wie damals mein alter Chemielehrer bei seinen Ausführungen zur Entstehungsgeschichte von Trockentorf.  Mindestens 4-mal wurde uns erzählt, dass Mitarbeiter das eigene Schwimmbad des Geländes kostenlos benutzen dürfen. Nichtsdestotrotz war das Gelände sehenswert und wir wurden ausgesprochen nett empfangen und bewirtet. Zu gefallen wusste dann auch der folgende Vortrag eines Jugendoffiziers der Bundeswehr im Abschluss der Führung. In Rhetorik geschult, referierte er über unser Wunschthema, der militärischen Rolle Deutschlands in der Welt, unter Betrachtung des Spannungsfeldes der Verteidigungsarmee einerseits und den scheinbar steigenden Partizipationsforderungen durch die Bündnispartner auf der anderen Seite. Nach einem gutem Vortrag folgten angeregte, kontroverse, aber nicht minder nachhaltige Diskussionen.

Danach teilen wir die Aktivitas auf, die eine Hälfte bezog ihr Nachtlager bei den Cartellbrüdern der Ascania und die anderen bei den Bonner Ripuaren. Nachdem die Gruppe bei der KDStV Ascania mit den örtlichen Trinkgepflogenheiten schon intensiv vertraut gemacht wurde, trafen wir uns anschließend alle wieder mit Alten Herren aus der Umgebung im Brauhaus Bönsch. Auch wenn der Geschmack dieses Bieres in Diskussion stand, wusste der Abend mit gediegenem Essen bei vorzüglichem Wetter absolut zu gefallen. Die Stimmung war auf der Höhe, sodass wir Balten geschlossen mit Aktiven und Alten Herren zu unserer ersten Bummelstation aufbrachen. Den Cartellbrüdern der KDStV Staufia fielen an der Tür die Kinnladen nach unten. Zwar sind die gefallene Aussagen „Die ganze Straße ist voller Balten“ „Die haben ihre ganze Verbindung eingepackt“ sicherlich überspitzt, aber in der Tat waren wir froh mit über 25 Mann überhaupt Eintritt gewährt zu bekommen. Auch die Cartellbrüder waren sichtlich begeistert. Endlich ist was los, die Balten sind da. Und besseren Couleurbesuch als uns kann man sich ja auch eigentlich nicht wünschen, oder? Schwups war die Theke übernommen und die Musik fiel auch direkt in unsere Hand. Es begann eine ereignisreiche Nacht, in der es die einen immer tiefer in die schlagfertige Bonner Verbindungswelt zog, andere erkundeten das sonstige Nachtleben in Bonn.

Am nächsten Morgen ging es dann doch nicht ganz so zeitig los wie geplant. Manch einer würde sagen, dass es ohnehin Utopie in reinster Form war, uns als Gruppe so früh mit vollständigem Grillmaterial auf den Rheinwiesen zu sehen. Andere aber nehmen ihre Aufgabe Gott sei Dank noch ernst. So wie Oliver, der gestandene 3 Stunden alleine den Grillplatz sicherte und hütete, bis endlich der Rest der Truppe ankam. Etwas zerstört von der vorigen Nacht waren noch nicht alle wirklich auf dem Damm und man munkelt bis heute, dass einige Büsche neu dekoriert wurden. Aber an diesem wunderbaren Sommertag waren die Katerbedingungen eigentlich perfekt. In den malerischen Wiesen stieg der Grillrauch gen Himmel und die Biervorräte mussten kein Verfallsdatum fürchten. Spätestens nach dem „Klatsch-Spiel“ und „Flunkyball“ war die Baltenrunde in Fahrt. Welch' herrlich kurzweiliger Nachmittag.

Am Abend ging es dann nach Köln. Durch den wundersamen Ausfall zweier Hochchargen war Improvisationstalent in der Abendgestaltung gefragt. Aber in der Domstadt findet man sich zurecht. Und trotz der altbekannten Trägheit großer Gruppen mit divergenten Vorstellungen, landeten wir am Ende alle in dem gleichen Club. Es war einer jener Kölner Clubs, in denen man als große Männergruppe sehr gerne willkommen geheißen wird, in der der wummernde Bass ungeahntes Tanztalent aufdeckt und in dem man die überraschendsten Leute trifft. Die Sonne vertrieb soeben noch den letzten verbliebenen Hauch der Dunkelheit, als ein Zug voller Balten zurück nach Bonn fuhr.

Der finale Brunch in der Bonner Innenstadt am Sonntagmorgen rundete ein wirklich gelungenes Wochenende ab.

Aktivenfahrt <3  – Quality time with your Bundesbros!